Schnarup-Thumby – einem Freiraum droht das Aus?!

Flugblatt des Kollektivs vom Februar 2010
Wir halten es für notwendig und unumgänglich diesen Konflikt und die daraus entstandene Situation auf ein umfassendes Diskussionsniveau zu heben und öffentlich zu machen, damit der Bestand linker Freiräume erhalten bleibt und nicht Privileg von HausbewohnerInnen mit EigentümerInnenmentalität wird.

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Das Hausprojekt in der Scharnweberstr. 38 („Scharni 38“) wurde 1990 im Zuge der HausbesetzerInnenwelle im Osten Berlins besetzt, später legalisiert und 2005 in Zusammenarbeit mit dem Mietshäuser Syndikat gekauft.

Seit Mitte der 90er Jahre existiert in den Räumen des Projekts das Schnarup-Thumby Kollektiv, welches sich zusammensetzt aus gleichberechtigten Gruppen, die politische Veranstaltungen, Diskussionen, Volxküchen, Kneipen- und Filmabende sowie Solikonzerte und -parties organisieren.

Das besondere am Schnarup-Thumby Kollektiv war immer die Zusammenarbeit unterschiedlicher Kneipenabende und Gruppen: Anarchos, Punks, Queers, Antifas und Kommies. Teil des Kollektivs war ebenfalls das Hauskollektiv, das laut eigenem Verständnis die BewohnerInnen der „Scharni 38“ vertritt.

In der jüngeren Vergangenheit sahen sich verschiedene politische Gruppen der Kneipenabende immer wieder mit hausinternen und teilweise unkonstruktiv geführten Diskussionen konfrontiert.

Nur haben sich die VertreterInnen der HausbewohnerInnen zunehmend und in letzter Zeit fast ausschließlich darauf fokussiert Kritik nicht mehr diskutieren zu wollen, sondern Diskussionen im Schnarup-Thumby Kollektiv durch immer wieder neu aufgestellte Forderungen an Gruppen und auch an das Kollektiv selbst zu ersetzen.

Bei einer anberaumten Vollversammlung des Schnarup-Thumby Kollektivs am 22.02.2010 legten uns die HausbewohnerInnen eine Erklärung zur Auflösung des Schnarup-Thumby Kollektivs vor.

Diese Erklärung ist das Resultat einer mehrmonatigen Auseinandersetzung über eine neue inhaltliche Ausrichtung des Schnarup-Thumby Kollektivs. Vorangegangen war dem die Forderung nach einer mittelfristigen Beendigung der Zusammenarbeit mit einem der Kneipenabende, was von der Mehrheit des Kollektivs abgelehnt wurde.

Konkret übten die HausbewohnerInnen verstärkt Machtpolitik aus, indem sie immer wieder vorgefertigte interne Hausbeschlüsse nicht vorher im Plenum des Schnarup-Thumby Kollektivs zur Diskussion stellten oder das Vetorecht mißbrauchten um ihnen nicht genehme Veranstaltungen zu verhindern.

Die Vorgehensweise und die Machtpolitik der HausbewohnerInnen gipfelte jetzt im Austausch der Türschlösser, um das Schnarup-Thumby Kollektiv durch verschlossene Türen vor vollendete Tatsachen zu stellen, womit sie erneut gegen jegliche basisdemokratische Prinzipien verstoßen haben, die in einer emanzipatorischen Linken üblich sein sollten.

Die BewohnerInnen der „Scharni 38“ haben unserer Überzeugung nach nicht die Berechtigung ein bestehendes, arbeitsfähiges und diskussionsbereites Kneipenkollektiv aufzulösen. Diese BesitzerInnenmentalität lehnen wir grundsätzlich ab.

Das Hinzuziehen von anderen Projekten oder außenstehenden Personen als VermittlerInnen in dem Konflikt wurde von den BewohnerInnen der „Scharni 38“ vehement abgelehnt.

Wir halten es für notwendig und unumgänglich diesen Konflikt und die daraus entstandene Situation auf ein umfassendes Diskussionsniveau zu heben und öffentlich zu machen, damit der Bestand linker Freiräume erhalten bleibt und nicht Privileg von HausbewohnerInnen mit EigentümerInnenmentalität wird.

Für den Erhalt linker und unkommerzieller Strukturen!
Solidarität mit dem Schnarup-Thumby Kollektiv!

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