Frustschutz e.V. ausgesperrt aus Vereinsräume

Indymedia-Beitrag vom 25.02.2010

Frustschutz e.V. ausgesperrt aus Vereinsräume
f‘hain punx 25.02.2010 01:34 Themen: Freiräume Soziale Kämpfe

Das Hausprojekt Scharni38/S38 in Berlin-Friedrichshain hat vor ein paar Tagen die Türschlösser ausgewechselt mit der gleichzeitigen Veröffentlichung einer Erklärung, dass das sog. Schnarup-Thumby Kollektiv nun aufgelöst sei. Damit werden dem Frustschutz e.V. die Vereinsräume entzogen, in dem der Verein seit Jahren Nachbarschaftshilfe, Volxküche, Veranstaltungen und Parties organisierte.

Das Hausprojekt Scharnweberstr. 38 wurde 1990 besetzt und gemeinsam mit externen Gruppen wurde später der Verein Frustschutz e.V. gegründet um unkommerzielle Veranstaltungen und Nachbarschaftshilfe in dem Freiraum der Vereinsräume des Frustschutz e.V. – Schnarup-Thumby – zu ermöglichen. Das Kollektiv des Schnarup-Thumby setzte sich zusammen aus externen Gruppen und Personen einer großen Bandbreite – von Anarchos, Punks, Kommies, DIY, Queers bis zur Antifa sowie dem Hauskollektiv. Es war nicht immer leicht, aber die große Bandbreite brachte dem Schnarup-Thumby eine grosse Ausstrahlung als Freiraum auch international.

„der verein trägt sorge dafür, dass freiraum kein privileg der bewohnerInnen bleibt.“ (Zitat S38 Selbstdarstellung auf der Homepage)

Auf der Homepage der S38 heisst es (bis jetzt) u.a. dazu:

„frustschutz e.v.
aus der scharni nicht wegzudenken ist der gemeinnützige „frustschutz e.v.“ und seine vereinsräume im hochparterre. der verein trägt sorge dafür, dass freiraum kein privileg der bewohnerInnen bleibt. hier finden u.a. treffen von politischen gruppen, informationsveranstaltungen und filmvorführungen statt. an mehreren tagen der woche gibt es für alle besucherInnen essen gegen spende, dass von verschiedenen gruppen in der vereinsküche gekocht wird. der „frustschutz“ gestaltet darüber hinaus auch das leben im stadtteil mit. ein beispiel ist die mitorganisation des straßenfestes in der rigaer straße im sommer 2003 unter dem motto „berlin umsonst“. getragen wird der verein von bewohnerInnen des hauses, gruppen und einzelpersonen aus dem stadtteil, die sich hier engagieren. entscheidungen werden auf vereinsplena und den jährlich stattfindenden hauptversammlungen in rücksprache mit dem hausplenum getroffen. im rahmen der sanierung und umgestaltung im frühjahr und sommer 2006 wurden die räume des frustschutz e.v. um den keller erweitert, so dass ab jetzt auch kulturelle veranstaltungen, wie z.b. konzerte möglich sind.“

April 2005 wurde das Haus mit Hilfe des Mietshäusersyndikats gekauft, auch mit Auflagen der Renovierung. Seit dem fanden neben den Soliparties auch zahlreiche „Bauparties“ im Schnarup-Thumby statt, auch zum Großteil getragen von den externen Gruppen und Personen, die im Schnarup-Thumby Kollektiv organisiert sind/waren.

Dazu gründete das Hausprojekt den Verein Eid e.V. als Vertretung der BewohnerInnen. Dieser Verein gründete 2005 zusammen mit der Mietshäusersyndikat GmbH die Itzevil GmbH. Diese Gmbh kaufte dann am 5. April das Gebäude. Der Verein Eid e.V. hat in der Itzevil GmbH Anteile von 51% erhalten und das Mietshäusersyndikat eine Sperrminorität von 49%.

Die Vereinsräume des Frustschutz e.V. blieben weiterhin die Räumlichkeiten des Schnarup-Thumby, die Räumlichkeiten des Frustschutz e.V. wurden auf die Räumlichkeiten im Keller erweitert, der Großteils mit Hilfe von Geldern aus den Soliparties renoviert werden konnte.

In den letzten Wochen gab es aber Auseinandersetzungen im Kollektiv. Auf der einen Seite steht das Hauskollektiv und 2 oder 3 externe Einzelpersonen und auf der anderen Seite alle anderen Gruppen und Zusammenhänge (externe) des Schnarup-Thumby Kollektivs, die im Prinzip den Anspruch des Freiraums mit Antirepressionsveranstaltungen, Volxküchen, Kino, Politveranstaltungen und unkommerziellen Kneipen- und Partyabenden ausgefüllt haben.

Zusammengefasst hat das Hauskollektiv nun einseitig und nicht im Konsens die Auflösung des Schnarup-Thumby Kollektivs erklärt (in dem es eine Gruppe war) und gleich die Schlösser ausgetauscht, um so praktisch dem Kollektiv den Zutritt zu verwehren. Damit wird gleichzeitig allen Mitgliedern des Frustschutz e.V. der Zutritt verwehrt, obwohl der Vereinssitz des Frustschutz e.V. sich eben in diesen Räumen befindet.

Das Mietshäusersyndikat konnte sich bislang auf Grund der Kürze der Zeit noch nicht zur Auseinandersetzung um die Räumlichkeiten des Frustschutz e.V. zu Wort melden.

Klar ist aber, dass die Auseinandersetzungen um innerlinke Debatten wie auch um den sog. Internationalistischen Abend Großteils vom Haus vorgeschoben wurden, um eine Auseinandersetzung und Zerwürfnisse versuchen zu provozieren. Allein die Tatsache das die Verriegelung der Räume neben dem sog. Interabend auch AntifaschistInnen, AnarchistInnen, Punks, DIY und Antirepressionszusammenhänge trifft die nun auch ausgesperrt sind, zeigt schon deutlich, dass es hier den BewohnerInnen eher um den Versuch um eine andere – kommerziellere – Nutzung geht. Sternie-TrinkerInnen, Antirepressionsabende und Politveranstaltungen, Punkkonzerte und Volxküche – teils inzwischen Reizworte aus einer Zeit als die Autonomen noch stärker waren für die BewohnerInnen die größtenteils dort erst seit 2005 wohnen – scheinen dem Hauskollektiv dabei im Wege zu stehen.

Das traditionelle Freiraumkonzept der „linken Szene“ wird in seiner Bedeutung und Definition von einer Mehrheit der BewohnerInnen abgelehnt, wie auch „die linke Szene“ wie sie jetzt organisiert sei. Warum auch linke Freiräume erkämpfen und erhalten, wenn mensch sie ja auch einfach besitzen kann.

Ergänzungen

Eid e.V.
Frustschutz 25.02.2010 – 01:54
Aus der Werbehomepage der Eid e.V./S38, vor dem Hauskauf, auf der um Bürschaften, Kredite und Spenden gebeten wurde:

„Was wollen wir nun mit dem gekauften Haus? Zuerst einmal Platz für 15 neue BewohnerInnen schaffen, auch hier in erster Linie für sozial Benachteiligte. Nachdem solcher Platz hier im Viertel wie überall immer knapper wird, freuen wir uns auf diese Projekterweiterung.

Eine Sonderstellung nimmt der Frustschutz e.V. ein, der seit vielen Jahren im Haus in eigenen Räumen tätig ist. Der Erwerb des Gebäudes wird die Möglichkeit zur lange fälligen Sanierung der Räumlichkeiten sowie zu deren Nutzbarmachung für kulturelle Veranstaltungen geben. In den Räumen des Frustschutz finden Filmabende, öffentliche Essensausgabe, Lesungen, kleine Benefizveranstaltungen und vieles mehr statt.

Neben dem gemeinsamen Leben ist uns die Öffnung des Projektes für Nicht-BewohnerInnen wichtig. Durch die flächenmäßige Vergrößerung bietet sich die Chance die nichtkommerzielle Infrastruktur des Kiezes auszubauen.
So sollen zu den bisher genutzten Vereinsflächen mehr Räume für soziale, politische und kulturelle Gruppen zur Verfügung stehen.“